Resolution Demografischer Wandel: Gesund älter werden

Berlin, 13.7.2011 – Die steigende Lebenserwartung, die Veränderung der Altersstruktur unserer Bevölkerung und die daraus resultierende Veränderung des Krankheitsspektrums und der medizinischen Versorgung sind die Herausforderungen der Zukunft. Vor diesem Hintergrund des demografischen Wandels verabschiedet der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) folgende Resolution:

  • Der vdek sieht in der schon seit längerem steigenden Lebenserwartung auch einen Erfolg der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung und einen Gewinn für die gesamte Gesellschaft. Es gilt daher die Sicherstellung einer hohen gesundheitsbezogenen Lebensqualität bis ins hohe Alter durch alle Akteure aus Politik, Wirtschaft, Sozialsicherungssystemen und Gesellschaft nach besten Möglichkeiten zu gewährleisten. Der vdek ist überzeugt, dass mögliche Kostenanstiege aufgrund der demografischen Entwicklung auch in Zukunft nicht wie unvorhersehbare „Naturgewalten“ in die sozialen Sicherungssysteme einbrechen werden, da Gestaltungsspielräume für die Finanzierung und Ausgestaltung der Sicherungssysteme vorhanden sind. Die demografische Entwicklung als Hauptargument für die Notwendigkeit von undifferenzierten Leistungskürzungen und Versorgungseinschränkungen ins Feld zu führen, ist aus Sicht der Ersatzkassen nicht stichhaltig.
  • Angesichts der demografischen Entwicklung gilt es schon heute, die geeigneten Maßnahmen in den unterschiedlichen Handlungsfeldern einzuleiten, um gesund älter zu werden. Durch den medizinischen Fortschritt kann es gelingen, eventuelle Probleme einer alternden Bevölkerung auch im Hinblick auf die Kosten zu bewältigen. Dieser Fortschritt muss der Patientin bzw. dem Patienten nutzen. Bestimmte Operationen sind heute zum einen kostengünstiger als früher. Zum anderen können Kosten in angezeigten Fällen durch einen verstärkten Einsatz von Homecare, Telemedizin und ambulanter Versorgung reduziert werden. Damit der medizinisch-technische Fortschritt dem Menschen Mehrnutzen bringt, fordern die Ersatzkassen, umfassende Technologiebewertungen und Nutzenanalysen stärker als bisher durchzuführen. Insgesamt muss es gelingen, dass neue Verfahren und Leistungen, die aufgrund des medizinisch-technischen Fortschritts entstehen, indikationsbezogen alte ersetzen und nicht nur zusätzlich ins System kommen. Zudem kann die Stärkung der individuellen Gesundheitskompetenz durch zielgruppenspezifische und bedarfsgerechte Informationen und Maßnahmen der Aufklärung, Primärprävention und Gesundheitsförderung dazu beitragen, ein gesundheitsbewusstes Verhalten zu verankern und Kosten in den Sozialsicherungssystemen zu vermeiden.
  • Der vdek fordert die Politik auf, Anreize und Rahmenbedingungen zu schaffen, damit alle Akteure aus Politik, Wirtschaft, Sozialsicherungssystemen und Gesellschaft sich optimal der Herausforderung einer alternden Bevölkerung kurz- sowie langfristig stellen. Dazu gehören auch, die Veränderungen der Erkrankungen und der Versorgungsbedürfnisse der Patientinnen und Patienten in der medizinischen und pflegerischen Aus- und Weiterbildung zu berücksichtigen. Nur wenn Ärztinnen und Ärzte sowie das Pflegepersonal die richtige Qualifikation besitzen, ist eine optimale Versorgung zu gewährleisten.
  • Der vdek fordert, dass innovative und zielgenaue Angebote für alte Menschen mit altersassoziierten und chronischen Erkrankungen entwickelt und gefördert werden. Die Integration der Versorgungssektoren und die Optimierung der Behandlungsabläufe gilt es zu forcieren.
  • Es besteht ein breiter gesellschaftlicher Konsens darüber, dass ein Gewinn an „gesunden Lebensjahren“ im Alter einen hohen Stellenwert hat. In Deutschland gibt es Anzeichen dafür, dass der Gewinn an Lebensjahren häufig einhergeht mit einem Gewinn an „gesunden“ Lebensjahren. Deshalb ist die bisherige Methode, mit der die Alterung der Gesellschaft beschrieben wird, zu überdenken. Diese Messgröße, der sogenannte Altersquotient, also das Zahlenverhältnis der über 65-Jährigen zu den Menschen im erwerbsfähigen Alter, erfasst in der gegenwärtigen Form die Sachlage nicht mehr vollständig. Die Mitgliederversammlung des vdek wird dies zum Anlass nehmen, im Austausch mit der Wissenschaft und Politik eine Anpassung der Messgrößen „Altersquotient“ vorzunehmen. Dabei sollte auch über neue Messgrößen, die den Gesundheitszustand besser berücksichtigen, nachgedacht werden.
  • Der vdek macht sich dafür stark, innovative Projekte zur altersgerechten Versorgung zu fördern. Aus diesem Grund hat die Mitgliederversammlung den vdek-Zukunftspreis ausgelobt. Mit dem Preisgeld in Höhe von 20.000 Euro werden zukunftsweisende Konzepte, aber auch best-practice Beispiele, prämiert. Zudem begrüßt der vdek die Initiative der Europäischen Kommission zu „Europäische Innovationspartnerschaft – Aktivitäten und Gesundheit im Alter“.

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